EMDR Methode
Eye Movement Desensitization and Reprocessing
Was ist EMDR
Schnelle und wirksame Psychotherapiemethode zur Behandlung von Traumata - PTBS und Depression oder Alkoholsucht.
EMDR wurde zur Behandlung traumatisierter Menschen entwickelt. Diese Therapiemethode erweist sich aber auch bei anderen Störungsbildern, die durch belastende Erlebnisse mit verursacht wurden, als wirksam.
Als Therapieform, die Traumafolgestörungen am schnellsten und wirksamsten heilt, gilt derzeit die EMDR. Eine Therapie mit EMDR benötigt nachweislich 40 Prozent weniger Behandlungsstunden als andere bewährte Verfahren.
EMDR - Die vier Buchstaben stehen für Eye Movement Desensitization and Reprocessing, was auf Deutsch Desensibilisierung und Verarbeitung durch Augenbewegung bedeutet. Das englische Wort reprocessing heißt Wiederaufarbeitung.
Dr. Francine Shapiro (USA) entwickelte diese Psychotherapieform zur Behandlung von Traumafolgestörungen Ende der 80er Jahre des letzten Jahrhunderts. Mit der EMDR-Methode können Traumafolgestörungen behandelt werden. In Deutschland wird EMDR in der Traumatherapie etwa seit 1991 angewendet. 2006 hat der wissenschaftliche Beirat für Psychotherapie EMDR als wissenschaftlich begründete Psychotherapiemethode anerkannt. Seit 2015 wird EMDR als Psychotherapiemethode von der gesetzlichen Krankenversicherung bei Posttraumatischer Belastungsstörung (PTBS) bezahlt.
Die Wirksamkeit von EMDR ist durch zahlreiche wissenschaftliche Studien belegt. Die Forschungsergebnisse zeigen: Nach der Behandlung einer einfachen posttraumatischen Belastungsstörung mit EMDR fühlen sich 80 Prozent der Patientinnen und Patienten deutlich entlastet – und das bereits nach wenigen Sitzungen.
"Normale" nicht belastende Erlebnisse werden vom Gehirn in verarbeiteter Form im Gedächtnis abgespeichert. Ein traumatisches Erlebnis ist für den Betroffenen so überwältigend, dass er es nicht so schnell und geordnet verarbeiten kann wie andere Erlebnisse. Die Erinnerungen an das traumatische Geschehen werden deshalb in einer Art Rohform abgespeichert. Diese Erinnerungen bestehen vor allem aus Sinneseindrücken, Körperempfindungen und Gefühlen. Geordnete Gedanken finden sich nur wenige darin. Außerdem wurden sie nicht vom Gehirn inhaltlich und zeitlich in ein Netzwerk von anderen Erinnerungen eingeordnet.
Ein zentrales Element der EMDR-Behandlung ist die Nachverarbeitung der belastenden Erinnerung unter Nutzung bilateraler Stimulation: Die Patientin bzw. der Patient folgt den Fingern der Therapeutin mit den Augen, während diese ihre Hand abwechselnd nach rechts und links bewegt. Diese Stimulation unterstützt das Gehirn, die eigenen Selbstheilungskräfte zu aktivieren und die belastenden Erinnerungen zu verarbeiten. Diese geleiteten Augenbewegungen entsprechen genau den Augenbewegungen im REM-Schlaf, also der Phase, in der der Schlafende seine Augen ruckartig bewegt. In der REM-Schlafphase werden die Geschehnisse des Tages verarbeitet. Durch die rasche Augenbewegung werden beide Gehirnhälften intensiv stimuliert (bilaterale Stimulation). Blockierte oder nicht integrierte Erinnerungen an das Trauma werden so nachträglich verarbeitet. Damit lassen sie sich auch später noch in die Gesamterinnerungen einbetten und in die Lebenswirklichkeit einordnen.
Wirkung von EMDR
Francine Shapiro, eine US-amerikanische Psychologin, machte bei sich selbst eine wichtige Erfahrung: Als sie sehr belastet war, entdeckte sie während eines Spaziergangs in der Natur, dass gezielte Augenbewegungen ihre Ängste und depressiven Gedanken milderten. Ihr wurde kurz davor die Diagnose Krebs mitgeteilt. Diese Erfahrung beeindruckte Shapiro so, dass sie diese gezielten Augenbewegungen im therapeutischen Ablauf einführte. Die Klienten sprachen über ihre traumatischen Erlebnisse, während sie mit den Augen den schnellen gezielten Bewegungen des Zeigefingers der Therapeutin folgten.
Shapiro beobachtete wiederholt, dass dieses Vorgehen wirksam war und entwickelte daraufhin im Zeitraum zwischen 1987 und 1991 EMDR als Methode zur Behandlung von Traumafolgestörungen. Sie ergänzte die geführten Augenbewegungen durch andere Stimulationsweisen wie Handberührungen oder akustische Reize und auch durch Elemente der kognitiven Verhaltenstherapie.
Die EMDR gestaltete sie schließlich gezielt als Expositionstherapie (Konfrontationstherapie), bei der ein Patient das traumatische Geschehen in Gedanken noch einmal wachruft. Die Expositionstherapie ist ein Behandlungsansatz (Intervention) aus der Verhaltenstherapie. Dabei wird der Patient bewusst eine gewisse Zeit und meist mit Unterstützung des Therapeuten dem ausgesetzt, wovor er sich fürchtet.
Traumatische Erinnerungen werden neu verarbeitet
Die Erinnerungen an das traumatische Geschehen werden in einer Art Rohform abgespeichert, da das Gehirn diese Erinnerungsfragmente inhaltlich und zeitlich nicht in ein Netzwerk von anderen Erinnerungen einordnen konnte. Diese Erinnerungsfragmente setzen sich deshalb vor allem aus Sinneseindrücken, Körperempfindungen und Gefühlen zusammen. Darüber hinaus werden traumatisch verarbeitete Erfahrungen im Grunde im Gehirn so abgelegt, dass sie jederzeit unmittelbar abrufbar sind, sobald eine Situation auch nur ansatzweise an die einmal erlebte Katastrophe erinnert.
Jemand, der einmal auf der Straße überfallen wurde, kann sich etwa durch Schritte hinter sich, sofort in die schreckliche Situation zurückversetzt fühlen und flüchten. Eine solche unbewusste Reaktion kann auch passieren, wenn seit dem Überfall Jahre vergangenen sind und er sich in einer sicheren Gegend aufhält.
Daran setzt die EMDR an: Die für die EMDR spezifische Stimulation unterstützt den Prozess, dass die alten Informationen, die das Trauma ausgelöst haben, neu verarbeitet werden. Darauf aufbauend können Fehlanpassungen wie Vermeidungsverhalten oder Überkompensation, die der Patient aufgrund des Traumas entwickelt hat, überwunden werden. Die belastenden Erinnerungen verlieren ihren sich unkontrollierbar aufdrängenden und emotionsgeladenen (intrusiven) Charakter. Diese Intrusionen klingen mit zunehmender Behandlungsdauer ab. An ihre Stelle treten erträgliche Erinnerungen an das Ereignis.
Erinnerungen an das Trauma können endlich in das eigene Leben integriert werden
Laut Francine Shapiro kann das Trauma durch die Stimulation schneller verarbeitet und besser in die übrigen Erinnerungen integriert werden, weil beide Gehirnhälften intensiv stimuliert und miteinander vernetzt werden. So können blockierte oder nicht integrierte Erinnerungen an das Trauma verarbeitet werden.
Viele wissenschaftliche Untersuchungen bestätigen das: EMDR benötigt nachweislich 40 Prozent weniger Behandlungsstunden als andere bewährte Verfahren.
Während die günstige Wirkungsweise von EMDR wissenschaftlich nachgewiesen werden konnte, wurde bis jetzt der eigentliche Wirkmechanismus noch nicht definitiv geklärt. Die spezifischen Augenbewegungen scheinen für den Erfolg keine große Rolle spielen, denn neben horizontalen sind auch vertikale Augenbewegungen und vor allem auch andere Formen der Stimulation wirksam.
Wahrscheinlich weil die Wirkung schneller eintritt, ist die Rate der Therapieabbrecher bei EMDR geringer. So sprechen beispielsweise die Symptome der Intrusionen und der Erregung besser auf EMDR an.
Die EMDR-Behandlung läuft sehr strukturiert in 8 Phasen ab
Damit überhaupt eine Behandlung mit EMDR stattfinden kann, müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein. Der Therapeut sollte unbedingt auch psychotherapeutisch in dem Störungsbild ausgebildet und erfahren sein, in dem er EMDR anwenden möchte. Der Klient selbst muss dazu bereit sein, dass die Therapie das Trauma aufdecken kann. Etwaige schwere körperliche Krankheiten müssen ausreichend behandelt werden, auch Begleiterkrankungen, die in einem Zusammenhang mit dem Trauma stehen, zum Beispiel eine Depression oder Angststörung. Außerdem sollte unbedingt sichergestellt sein, dass der Klient vor einem Täterkontakt geschützt ist, sollte das Trauma beispielsweise aufgrund eines Gewaltverbrechens entstanden sein.
Erinnerungen verlieren emotionsgeladenen Charakter
Zu Beginn der Behandlung werden das Trauma des Klienten und die mit ihm verbundenen Symptome genau analysiert. Der Klient vergegenwärtigt sich das traumatische Erlebnis in Gedanken und Gefühlen und erlebt auf diese Weise das belastende Ereignis noch einmal. Gleichzeitig folgt er mit den Augen den Handbewegungen des Therapeuten oder wird auf andere Weise bilateral stimuliert. Mittlerweile gibt es sogar Geräte, die den Zeigefinger des Therapeuten durch ein buntes bewegtes LED-Lichtband ersetzen. Durch die zweiseitige abwechselnde Stimulation, kann der Klient seine Erinnerungen an das traumatische Erlebnis, die im Gehirn bis dahin noch nicht wirklich verarbeitet worden sind, beschleunigt reprozessieren, also neu oder wiederverarbeiten.
Die Erinnerung verliert ihren für ein Trauma typischen intrusiven und emotionsgeladenen Charakter. Eine Intrusion ist ein meist durch einen Schlüsselreiz immer wieder quälend sich aufdrängendes Wiedererleben des traumatischen Ereignisses, ohne dass der Betroffene das steuern könnte.
Phase 1: Vorgeschichte und Behandlungsplanung
Zunächst wird die Vorgeschichte erhoben. Nachdem der Therapeut Kontraindikationen ausgeschlossen hat — eine Kontraindikation ist ein Gesichtspunkt oder eine Tatsache, die gegen eine bestimmte Therapie spricht —, stellt er gemeinsam mit dem Patienten einen Behandlungsplan auf. Darin ist die Wiederbearbeitung, also das Reprozessieren (reprocessing) traumatischer Erinnerung oder anderer Symptome, die mit dem Trauma in Verbindung stehen, wesentlicher Bestandteil.
Phase 2: Vorbereitung des Patienten
Der Patient wird über den Behandlungsplan und die Methode aufgeklärt. Um den Klienten zu stabilisieren, wendet der Therapeut gegebenenfalls vorher Entspannungs- oder imaginative Verfahren an. Je nach Bedarf werden ihm auch Medikamente von einem Arzt verabreicht.
Phase 3: Bewertung der Erinnerung
In dieser Phase geht es darum, die besonders belastenden Erinnerungen durch Sinnesreize, Gemütserregungen und auch kognitiv schrittweise so anzusprechen, dass der Klient sie in das gesamte traumatische Geschehen integrieren kann. Das bedeutet, dass der Klient einen vollständigeren Zugang zu seiner Erinnerung bekommt und sie auch gedanklich in sein Gesamterleben einordnen lernt.
Phase 4: Durcharbeitung
In dieser Phase verarbeitet der Klient seine Traumaerinnerungen neu, er reprozessiert sie. Dazu erinnert er sich an bestimmte markante Bilder, an sinnliche Eindrücke und negative Gedankenmuster, die im Zusammenhang mit dem schrecklichen Ereignis stehen. Während sich der Klient auf seine Erinnerungen fokussiert, wird er gleichzeitig vom Therapeuten durch Sinnesreize angeregt. Der Patient erlebt bereits durch die schnelle assoziative Folge wechselnder sinnlicher Eindrücke, Affekte und Gedanken eine stufenweise Entlastung — auch wenn zwischenzeitlich intensivere Affekte anklingen können. Diese Art der Nachverarbeitung ist von großem Vorteil. Der Druck durch die Erinnerungen, die durch die EMDR-Therapie wieder aktiviert werden, bleibt dadurch psychisch verkraftbar. Der Therapeut sollte selbst psychisch stabil sein und flexibel reagieren können, um den Patienten und seinen individuellen Verarbeitungsprozess ausreichend unterstützen zu können.
Nachdem die Belastung durch die Erinnerung in Phase 4 ausreichend abgenommen hat, wird die in Phase 3 erarbeitete oder eine durch den Verarbeitungsprozess verbesserte positive Kognition in Erinnerung gerufen und überprüft. Mit Kognition sind in diesem Zusammenhang alle Gedanken, Einstellungen oder Meinungen gemeint, die mit dem traumatischen Erlebnis zu tun haben. Beispielsweise wäre eine negative Kognition: „Ich werde nie mehr vertrauen können“, eine positive dagegen: „Das Erlebte ist vorbei.“ Denn traumatische Erinnerungen hinterlassen meist auch Spuren auf der kognitiven Ebene in Form von belastenden Überzeugungen, die immer wieder mit der Erinnerung zusammen auftauchen. Um kognitiv emotionale Endlosschleifen beenden zu können, hat Francine Shapiro deshalb Elemente aus der kognitiven Verhaltenstherapie eingewebt.
Negative Empfindungen werden durch eine schnelle bilaterale Stimulation abgeschwächt, während positive Kognitionen durch eine langsame bilaterale Stimulation verstärkt werden.
Phase 6: Körper-Test
Im anschließenden Körper-Test sucht man nach eventuell andauernden sinnlich wahrnehmbaren Erinnerungsfragmenten. Beim Körpertest spricht der Klient seine positive Selbstüberzeugung aus und wandert währenddessen mit seiner Aufmerksamkeit langsam von oben nach unten durch seinen Körper und schildert dem Therapeuten dabei die dabei auftretenden Körperempfindungen. Sollten noch belastende Körpererinnerungen bestehen, werden sie erneut bearbeitet.
Abschließend wird besprochen, welche Wirkung diese Erfahrung auf den Patienten hatte. Der Therapeut vereinbart mit dem Klienten Interventionsregeln für die Zeit zwischen den Sitzungen. Das ist wichtig, weil der in der EMDR-Sitzung angestoßene Prozess auch nach der Sitzung in abgeschwächter Form, zum Beispiel in Träumen oder Gefühlen, weiterlaufen kann.
Phase 8: Nachbefragung
Diese letzte Phase findet am Beginn der nächsten Stunde statt. Ausgelöst von der vorherigen EMDR-Sitzung erlebt der Patient zwischen den Sitzungen meist Erinnerungssplitter oder Träume, die zu Beginn der nächsten Sitzung erneut bearbeitet werden, bevor der Therapeut einen Schritt weitergeht.
Schon nach der ersten erfolgreichen EMDR-Sitzung erleben die meisten Patienten eine deutlich entlastende Veränderung der Erinnerung, auch die damit verbundene körperliche Erregung klingt ab und negative Gedanken und Emotionen können neu und positiver umformuliert werden.
Auch wenn EMDR in der Regel schneller wirkt als andere Formen der Traumatherapie, ist diese Methode kein Wundermittel und man kann nicht von vornherein festlegen, wie viele Sitzungen nötig sind.
„Die EMDR-Therapie zeigt auch im Online-Setting eine gute Wirksamkeit. Studien belegen, dass internetbasierte EMDR-Behandlungen zu signifikanten Verbesserungen psychischer Symptome führen können, insbesondere bei Traumafolgestörungen. Erste Untersuchungen deuten darauf hin, dass die Effektivität mit der Präsenztherapie vergleichbar sein kann, wobei sowohl Patient:innen als auch Therapeut:innen die Online-Durchführung überwiegend als sicher und wirksam bewerten. Allerdings wird weiterhin mehr randomisierte Forschung benötigt, um die Gleichwertigkeit eindeutig zu bestätigen.“ (EMDR International Association)
Indikation
Die Anwendung von EMDR ist angezeigt bei:
- Posttraumatischer Belastungsstörung (PTBS)
- Angst- und Panikstörungen
- Depressionen
- chronischen Schmerzen
- Folgen von Bindungstraumatisierungen
- Entwicklungs- und Verhaltensstörungen von Kindern
- psychophysischen Erschöpfungssyndromen
- Auswirkungen belastender Lebenserfahrungen
- starker Trauer nach Verlusterlebnissen
- stoffgebundener Abhängigkeit, vor allem im Zusammenhang mit einer Traumafolgestörung
Neuere wissenschaftliche Studien zeigen, dass EMDR auch in der Behandlung von Depressionen, Phantomschmerzen und der Senkung der Rückfallneigung bei Alkoholkranken wirksam ist.
Wie bei jeder anderen Form von Psychotherapie kann es in einer EMDR-Behandlung zu einem zeitweiligen Anstieg der Belastungen kommen:
- Belastende und bislang nicht verarbeitete Erinnerungen können auftauchen.
- Einige Klienten können während einer Sitzung intensive Emotionen oder körperliche Empfindungen im Zusammenhang mit dem bearbeiteten Erlebnis wahrnehmen.
- Nachprozessieren: In den Stunden nach einer EMDR-Behandlung kann das Gehirn mit der Bearbeitung der belastenden Erlebnisse fortfahren. Das kann sich in neu auftauchenden Träumen, Erinnerungen oder Gefühlen ausdrücken und den Klienten unter Umständen belasten, weshalb er unbedingt auf diese Möglichkeit vorbereitet werden sollte.
Nicht bei Psychosen oder hirnorganischen Störungen
EMDR darf auf keinen Fall angewendet werden bei:
- akuten Psychosen
- schweren hirnorganischen Störungen, zum Beispiel Schlaganfall oder Schädel-Hirn-Trauma
- unkontrollierbaren Epilepsien oder anderen somatischen Erkrankungen – in diesen Fällen sollte gemeinsam mit einem Arzt geprüft werden, ob eine Behandlung mittels EMDR möglich ist.
- Einfluss von Drogen oder Alkohol
- demenzielle Störungen oder andere höhergradige kognitive Beeinträchtigungen
Chat GPT habe ich zu EMDR gefragt, um es verständlicher in einfacherer Sprache zu machen.
Die „Desensibilisierung“ wird im Deutschen im EMDR-Kontext am häufigsten als „Desensibilisierung“ oder genauer als „Reduktion der emotionalen Empfindlichkeit“ bezeichnet.
In der EMDR-Therapie bedeutet „Desensibilisierung“ nicht, dass man „nichts mehr fühlt“, sondern dass:
die mit der traumatischen Erinnerung verbundene zu starke emotionale Reaktion abnimmt,
die Erinnerung keine intensive Angst oder körperliche Reaktion mehr auslöst,
das Erlebnis „als Erinnerung bestehen bleibt“, aber nicht so aktiviert wird, als würde es jetzt passieren.
In deutschsprachigen Fachtexten wird es daher oft so umschrieben:
Desensibilisierung
Reduktion der emotionalen Ladung
„Beruhigung“ der traumatischen Erinnerung
Gut, schauen wir uns einfach an, wie die Desensibilisierung im EMDR abläuft 👇
-
Ausgangspunkt: Aktivierung der belastenden Erinnerung
Der Therapeut bittet dich:
rufe eine konkrete traumatische oder belastende Erinnerung ab
sage, welches Bild, welcher Gedanke, welches Gefühl und welche körperliche Reaktion damit verbunden ist
Hier löst die Erinnerung normalerweise noch starke Spannung aus. -
Bilaterale Stimulation (z. B. Augenbewegung)
Das ist die „Besonderheit“ von EMDR:
du verfolgst mit den Augen einen sich bewegenden Punkt nach rechts und links (oder Klopfen / wechselnde Töne)
Dabei:
beginnt das Gehirn, die Erinnerung „neu zu verarbeiten“
ein ähnlicher Prozess setzt ein wie im Schlaf (REM-Phase) -
Freie Assoziation
Diese Verarbeitung geschieht spontan.
Der Therapeut lenkt nicht stark, sondern bittet eher:
„Beobachte einfach, was auftaucht.“
Und dabei:
verändern sich Bilder
tauchen neue Gedanken auf
wandeln sich Gefühle
-
Allmähliche Abnahme der Spannung (DAS ist die Desensibilisierung)
Nach mehreren Durchgängen:
wird die Erinnerung weniger belastend
der Körper beruhigt sich
die frühere „Überlebensreaktion“ verschwindet
Beispiel:
am Anfang: „das war schrecklich, ich bin in Gefahr“
später: „es ist passiert, aber es ist vorbei“
👉 Das ist die Desensibilisierung = Abnahme der emotionalen Ladung -
Entstehung einer neuen, adaptiven Bedeutung
Wenn die Erinnerung „ruhiger wird“, erscheint oft eine neue innere Erkenntnis:
„ich habe es überlebt“
„jetzt bin ich in Sicherheit“
„es war nicht meine Schuld“
Das ist bereits der tiefere Teil der Verarbeitung. -
Endzustand
Das Ziel ist nicht Vergessen, sondern:
dass die Erinnerung das Stresssystem nicht mehr aktiviert
du ruhig und kontrolliert daran denken kannst
Kurz gesagt
Desensibilisierung im EMDR: 👉 nicht gefühllos werden
👉 sondern dass das Trauma „seine Macht über dich verliert”
Wenn du möchtest, erkläre ich dir auch, warum es auf Ebene des Nervensystems funktioniert (ein sehr interessanter Teil 🙂).
Super, dann gehen wir etwas tiefer — was passiert im Gehirn und im Körper während EMDR 👇
🧠 1. Bei Trauma „bleibt die Verarbeitung stecken“
Normalerweise wird ein Erlebnis:
im Gedächtnis gespeichert
klingt ab und stört nicht weiter
Bei Trauma jedoch:
wird die Erinnerung in roher Form gespeichert
bleibt verbunden mit:
Bildern
Gefühlen
körperlichen Reaktionen
Deshalb passiert Folgendes: 👉 ein kleiner Trigger = als würdest du es erneut erleben
Dabei spielt die Überaktivität der Amygdala (Alarmsystem) eine große Rolle.
🔁 2. Während EMDR aktivierst du es neu, aber in Sicherheit
Wenn du die Erinnerung abrufst:
„öffnet“ das Gehirn das Gedächtnis
das ist der sogenannte Prozess der Gedächtnis-Rekonsolidierung
(memory reconsolidation)
👉 Das ist ein Schlüsselmoment: die Erinnerung wird veränderbar
👁️ 3. Wirkung der bilateralen Stimulation
Augenbewegung / Klopfen:
wechselt die Aktivität der rechten und linken Gehirnhälfte
unterstützt den „Fluss“ der Informationen
Das bewirkt gleichzeitig:
reduziert emotionale Überladung
aktiviert rationalere Verarbeitung
„dämpft“ die Stressreaktion
🧘 4. Das Nervensystem beruhigt sich
EMDR hilft umzuschalten:
von „Gefahr“-Zustand → in „Sicherheits“-Zustand
Das ist die Aktivierung des parasympathischen Nervensystems:
der Puls verlangsamt sich
Muskelspannung nimmt ab
der Bereitschaftszustand verschwindet
🔄 5. „Aktualisierung“ der Erinnerung
Während die Erinnerung aktiv ist + du in einem ruhigen Zustand bist: 👉 speichert das Gehirn das Erlebnis „neu“, aber in veränderter Form
Deshalb entsteht:
weniger Angst
mehr Kontrolle
realistischere Bedeutung
🧩 6. Der Schlüssel: doppelte Aufmerksamkeit
Im EMDR bist du gleichzeitig:
in der Erinnerung
UND spürst, dass du hier in Sicherheit bist
Das nennt man: 👉 „dual awareness“ (doppelte Bewusstheit)
Das verhindert eine Retraumatisierung.
🔑 Zusammengefasst
Die EMDR-Desensibilisierung funktioniert, weil:
-
sie die „steckengebliebene“ Erinnerung aktiviert
-
dich dabei in einem sicheren Zustand hält
-
die Neuverarbeitung und Umschreibung ermöglicht
👉 dadurch wird die Erinnerung nicht gelöscht, sondern verliert die Überlebensreaktion
Der Begriff „reprocessing“ im EMDR wird im Deutschen am häufigsten als:
✅ Neuverarbeitung
übersetzt.
In Fachtexten so: Neuverarbeitung
seltener: Umverarbeitung
manchmal umschrieben: adaptive Neuverarbeitung
Was bedeutet das genau?
„Reprocessing“ bedeutet nicht einfaches Erinnern, sondern dass:
die zuvor „steckengebliebene“ Erinnerung
in einem neuen nervensystemischen Zustand
mit neuer Bedeutung und emotionaler Ladung
neu organisiert wird
Das hängt mit der Gedächtnis-Rekonsolidierung zusammen (memory reconsolidation).
Einfaches Beispiel
Unverarbeitete Erinnerung:
„Ich bin in Gefahr.“ (starke körperliche Stressreaktion)
Neuverarbeitete Erinnerung:
„Damals war es schwer, aber es ist vorbei, ich bin in Sicherheit.“
Die Erinnerung bleibt —
aber die damit verbundene emotionale und körperliche Reaktion verändert sich.
Kurz gesagt
Desensibilisierung → die emotionale Ladung nimmt ab
Reprocessing (Neuverarbeitung) → die Erinnerung bekommt eine neue, adaptive Bedeutung
Wenn du möchtest, erkläre ich den feinen Unterschied zwischen den beiden noch genauer, auf fachlicher Ebene.
Gut, schauen wir es uns genauer an — denn diese zwei Begriffe sind zwei unterschiedliche, aber miteinander verflochtene Teile des Wesens von EMDR
🔍 Desensibilisierung vs. Neuverarbeitung (reprocessing)
🧯 1. Desensibilisierung = „Leiser machen“
Das ist die erste, direkt wahrnehmbare Veränderung.
👉 Was passiert?
die Angst nimmt ab
die körperliche Reaktion wird schwächer
die Erinnerung „trifft“ weniger stark
Das betrifft vor allem:
die Aktivität der Amygdala
die Alarmreaktion des Nervensystems
👉 Schlüssel: emotionale Intensität ↓
🧠 2. Neuverarbeitung = „Umschreiben“
Das ist eine tiefere und strukturelle Veränderung.
👉 Was passiert?
die Bedeutung der Erinnerung verändert sich
neue Verknüpfungen entstehen mit anderen Erinnerungen
eine adaptive (gesündere) Perspektive entsteht
Das hängt zusammen mit:
dem Prozess der memory reconsolidation
👉 Schlüssel: Bedeutung + Narrativ verändern sich
⚖️ Verhältnis der beiden „Leiser machen“ - „Umschreiben“
Es sind keine zwei getrennten Schritte, sondern eher:
👉 die Desensibilisierung öffnet den Weg zur Neuverarbeitung
Warum?
solange die Emotion zu stark ist → ist das Gehirn im „Überlebensmodus“
wenn sie abnimmt → entstehen Denken und Integration
🧩 Praktisches Beispiel
Ausgangspunkt:
„Ich war hilflos, ich bin in Gefahr.“
-
Nach Desensibilisierung:
„Es ist nicht mehr so stark… weniger beängstigend.“
-
Nach Neuverarbeitung:
„Damals war es wirklich schwer, aber ich habe überlebt, und jetzt bin ich in Sicherheit.“
🔑 Kurze Zusammenfassung:
Begriff - Was verändert sich? Ebene?Desensibilisierung - emotionale Intensität. Ebene des Nervensystems.
Neuverarbeitung - Bedeutung, Überzeugungen kognitive + emotionale Integration.
🧠 Eine wichtige Feinheit
Oft passieren beide gleichzeitig, nicht getrennt:
während die Spannung abnimmt
beginnt bereits die Entstehung neuer Bedeutung
Wenn du möchtest, erkläre ich auch, wie die „Installation positiver Kognition“ dazu passt — das ist noch ein eigener, sehr interessanter Schritt im EMDR.
Gut, das ist einer der interessantesten und oft missverstandenen Teile von EMDR 👇
schauen wir uns die Installation positiver Kognition im EMDR-Prozess an.
🌱 Was ist „Installation“ (Einbau)?
Auf Deutsch: 👉 Einbau / Verstärkung positiver Kognition
Das ist die Phase, in der:
die Desensibilisierung bereits stattgefunden hat (die Erinnerung triggert nicht mehr stark)
und die Neuverarbeitung begonnen hat
👉 jetzt wird bewusst ein adaptiver, gesunder Gedanke „verstärkt“
🧠 1. Was ist eine positive Kognition?
Ein innerer Satz, der:
realistisch ist
unterstützend
sich auch auf Ebene des Nervensystems „wahr anfühlt“
Beispiele:
„Jetzt bin ich in Sicherheit“
„Ich habe Wahlmöglichkeiten“
„Ich bin wertvoll“
„Ich kann mich schützen“
⚖️ 2. Wichtig: kein „positives Denken“
Das ist keine erzwungene Affirmation.
Wenn du zu früh sagst: > „Ich bin stark“
aber innerlich: > „stimmt nicht“
👉 dann lehnt das Gehirn es ab
Deshalb braucht es vorher:
Desensibilisierung
Neuverarbeitung
🔄 3. Wie erfolgt der Einbau?
Der Therapeut:
-
hilft, eine positive Kognition auszuwählen
-
bittet dich, zusammenzuhalten:
die Erinnerung
und diesen neuen Gedanken -
währenddessen läuft die bilaterale Stimulation
👉 so verknüpft das Gehirn die Erinnerung mit der neuen Bedeutung
📈 4. Messung des „Wahrheitsgefühls“
Im EMDR wird das konkret gemessen:
👉 wie wahr fühlt sich der Gedanke an (auf einer Skala von 1–7)
Ziel: nicht nur „wissen“, sondern auch als wahr empfinden
🧩 5. Was passiert auf Ebene des Nervensystems?
die Erinnerung aktiviert nicht mehr die Alarmreaktion der Amygdala
die positive Kognition integriert sich
neue Netzwerke entstehen im Gehirn
Verbindung: 👉 memory reconsolidation
🔍 6. Beispiel für den gesamten Prozess
Ursprünglich: > „Ich bin hilflos“
Nach Desensibilisierung: > „Es ist nicht mehr so stark“
Nach Neuverarbeitung: > „Ich habe überlebt“
Nach Installation: > „Ich habe Kraft und Kontrolle“
👉 und das erscheint bereits als innere Erfahrung
🔑 Essenz
Desensibilisierung → nimmt die Überlastung weg
Neuverarbeitung → bringt neue Bedeutung
Installation → „brennt“ die neue adaptive Überzeugung ein
⚠️ Feiner, aber wichtiger Unterschied
Die Installation:
legt nichts Neues „auf“ die Erinnerung
sondern verstärkt das, was sich bereits zu entwickeln beginnt
Wenn du möchtest, erkläre ich auch den letzten Schritt (body scan), der oft überraschend wichtig ist — dort zeigt sich wirklich, ob die Verarbeitung „fertig“ ist.
Super, dann kommt der letzte Schritt im EMDR-Prozess: der body scan (körperliche Durchprüfung) — das ist viel wichtiger, als es zunächst scheint.
🧍♂️ Was ist der body scan im EMDR?
Auf Deutsch: 👉 körperliche Durchprüfung oder Überprüfung der Körperempfindungen
Diese Phase prüft:
ob dein Körper „zustimmt“ dem, was du im Kopf bereits verarbeitet hast
🧠 1. Warum braucht man das überhaupt?
Trauma ist nicht nur „im Kopf“, sondern:
im Nervensystem
in den Muskeln
in den Körperempfindungen
Deshalb kann es geben:
Magenenge
Druck in der Brust
Spannung
Auch wenn du schon „verstehst“, dass du in Sicherheit bist.
🔍 2. Wie läuft es ab?
Der Therapeut bittet:
denke an die ursprüngliche Erinnerung
an die positive Kognition
Und dabei: 👉 beobachte deinen Körper von Kopf bis Fuß
Frage:
„Ist irgendwo noch Spannung oder ein unangenehmes Gefühl vorhanden?“
⚠️ 3. Wenn noch Spannung da ist
Das ist sehr häufig.
Dann:
folgt weitere bilaterale Stimulation
aber nicht mehr auf die Geschichte, sondern fokussiert auf die Körperempfindung
👉 so lange, bis:
der Körper sich beruhigt
das Gefühl sich auflöst
🧘 4. Wenn der Körper „sauber“ ist
Das Ziel:
kein Druck
keine Spannung
neutrale oder ruhige Körperempfindung
👉 das zeigt, dass auch das Nervensystem die Verarbeitung „abgeschlossen“ hat
🧩 5. Was passiert auf Ebene des Nervensystems?
versteckte Aktivierung verschwindet
der Körper verlässt den Bereitschaftszustand
die Funktion des parasympathischen Nervensystems stabilisiert sich
🔄 6. Warum ist es entscheidend?
Wenn man es auslässt:
kann im Kopf alles ok sein
aber der Körper „erinnert sich“
👉 und später kann zurückkommen:
Angst
Trigger
körperliche Symptome
🧠 Eine wichtige Erkenntnis
Der body scan zeigt wirklich, dass:
du es nicht nur „verstanden“, sondern dein Nervensystem es auch verarbeitet hat
🔑 Kurz der gesamte EMDR-Verlauf
-
Desensibilisierung → emotionale Ladung sinkt
-
Neuverarbeitung → Bedeutung verändert sich
-
Installation → positive Überzeugung wird gestärkt
-
Body scan → auch körperlich abgeschlossen
Hier ist eine klare, leicht merkbare EMDR-Übersicht, die du auch als Notiz verwenden kannst 👇
🧠 EMDR – kompletter Ablauf kurz
🔹 1. Vorbereitung (Stabilisierung)
Sicherheitsgefühl aufbauen
Ressourcen (z. B. „sicherer Ort“)
Bewältigungsfähigkeiten
👉 Ziel: die Arbeit soll nicht überfordernd sein
🔹 2. Aktivierung der Zielerinnerung
Bild
negative Kognition („ich bin hilflos“)
Gefühl + Körperempfindung
SUD (Spannungsskala 0–10)
🔹 3. Desensibilisierung
bilaterale Stimulation (Augenbewegung usw.)
freie Assoziation
👉 Ergebnis:
✔ emotionale Intensität sinkt
✔ Trigger wird schwächer
🔹 4. Neuverarbeitung (reprocessing)
neue Bedeutungen entstehen
Perspektive verändert sich
👉 Ergebnis:
✔ „ich habe überlebt“
✔ „es ist vorbei“
🔹 5. Installation (Einbau positiver Kognition)
adaptive Gedanken auswählen
mit bilateraler Stimulation verstärken
👉 Ergebnis:
✔ „ich habe Kontrolle“
✔ „ich bin in Sicherheit“
✔ fühlt sich innerlich wahr an
🔹 6. Body scan (körperliche Durchprüfung)
Körper vollständig beobachten
👉 Ergebnis:
✔ keine Spannung im Körper
✔ nervensystemischer Abschluss
🔹 7. Abschluss (am Ende der Sitzung)
Rückkehr in die Gegenwart
Stabilisierung
wenn die Verarbeitung nicht vollständig ist → „vorübergehend schließen“
🔹 8. Neubewertung (in der nächsten Sitzung)
was ist geblieben?
ist das Ergebnis stabil?
braucht es weitere Verarbeitung?
🔑 Schnelle Merkhilfe (sehr kurz)
👉 Aktivierung → Leiser machen → Umschreiben → Verstärken → Körperlicher Abschluss
🧩 Essenz in einem Satz
EMDR: löscht die Erinnerung nicht, sondern verändert sie so, dass sie die Überlebensreaktion nicht mehr aktiviert — weder im Kopf noch im Körper
Gut, hier ist ein sehr kompakter Spickzettel + praktisches Beispiel, damit es wirklich sitzt 👇
🧠 EMDR – 5-Zeilen-Spickzettel - EMDR
-
Aktivierung → Erinnerung + negative Kognition + Gefühl + Körper
-
Desensibilisierung → Reduktion der emotionalen Intensität
-
Neuverarbeitung → Veränderung der Bedeutung
-
Installation → Verstärkung der positiven Kognition
-
Body scan → körperlicher Abschluss
👉 Schlüssel: Emotion ↓ + Bedeutung ↑ + körperliche Ruhe🧩 Praktisches Beispiel (Schritt für Schritt)
🟡 Ausgangspunkt
Erinnerung: beschämende Situation (z. B. Kritik vor anderen)
Negative Kognition: → „ich bin wertlos“
Gefühl: Scham, Angst
Körper: Magenenge
🔹 1. Desensibilisierung
während Augenbewegung kommen Bilder, Gedanken
Veränderung:
„nicht mehr so stark“
Magen weniger angespannt
🔹 2. Neuverarbeitung
Neue Erkenntnisse erscheinen:
„es war nicht fair“
„es ging nicht nur um mich“
👉 Bedeutung beginnt sich zu verändern
🔹 3. Installation
Positive Kognition: → „ich bin wertvoll“ oder „ich bin ok“
wird mit bilateraler Stimulation verstärkt
👉 nicht nur Gedanke, sondern Gefühl
🔹 4. Body scan
Körper beobachten
Ergebnis:
keine Magenenge
ruhiger Körper
🔚 Endergebnis
Ursprünglich:
„ich bin wertlos“ + starke Scham
Danach:
„ich bin ok“ + ruhiger Körper + kein Trigger
🔑 Mini-Zusammenfassung (sehr prüfungsfreundlich)
Desensibilisierung = Reduktion der Emotion
Neuverarbeitung = Umschreiben der Bedeutung
Installation = Verstärkung positiver Überzeugung
Body scan = körperliche Integration
Gut, schauen wir uns ein konkretes Beispiel einer Trauerreaktion bei an Krebs verstorbenem Angehörigen an und wie EMDR damit arbeitet.
🖤 Beispiel: Trauer nach an Krebs verstorbenem Angehörigen
🟡 Ausgangssituation (traumatische Trauer)
Eine Person verliert ihre Mutter an Krebs.
Erinnerung:
letzter Tag im Krankenhaus
Geräusche der Maschinen
Gefühl von Hilflosigkeit
Innere Reaktion:
„ich konnte nicht helfen“
„ich habe sie im Stich gelassen“
„es war schrecklich, das anzusehen“
Gefühle:
starke Traurigkeit
Schuldgefühl
Angst
Körper:
Druck in der Brust
Kloß im Hals
Magenverkrampfung
🔹 1. Desensibilisierung (Leiser machen)
Während bilateraler Stimulation:
👉 Veränderungen:
die Erinnerung „weniger scharf“
die Szene wirkt weiter entfernt
das panikartige Gefühl nimmt ab
Beispiel inneres Erleben:
„es tut sehr weh, aber es erstickt mich nicht mehr so“
🔹 2. Neuverarbeitung (reprocessing)
Das Gehirn beginnt, die Bedeutung zu verändern:
👉 neue Gedanken:
„ich habe alles getan, was möglich war“
„die Krankheit war die Ursache, nicht ich“
„ich hatte keine Kontrolle darüber“
👉 Veränderung:
Schuldgefühl → Akzeptanz
🔹 3. Installation (positive Kognition)
Ausgewählter adaptiver Gedanke:
„ich habe getan, was ich konnte“
oder:
„ich habe sie geliebt, und das ist genug“
👉 mit Stimulation:
fühlt sich dieser Gedanke „echt“ an
nicht nur intellektuell
🔹 4. Body scan
Körper überprüfen:
👉 ursprünglich:
Druck in der Brust
Magenkrampf
👉 jetzt:
tiefere Atmung
Ruhe
oder nur leichte Traurigkeit (aber keine Spannung)
🔚🧠 Endzustand
Ursprünglich:
„ich habe sie im Stich gelassen, es war schrecklich“
Panik + Schuld + körperliche Spannung
Nach EMDR:
„Es tut sehr weh, dass ich sie verloren habe, aber ich habe alles getan, was möglich war“
Traurigkeit bleibt
aber keine überwältigende Trauma-Reaktion
🔑 Wichtiger Unterschied bei Trauer
EMDR macht nicht: ❌ „es tut nicht mehr weh“
sondern: ✔ der Schmerz wird nicht mehr lähmend oder traumatisch
✔ der Verlust kann ins Leben integriert werden
Wenn du möchtest, kann ich das Gleiche auch bei komplexerer Trauer zeigen (z. B. lange Pflege + Burnout + Schuldgefühl kombiniert), denn dort ist der Prozess noch interessanter.
Gut, schauen wir uns eine komplexere, auch klinisch häufige Trauersituation bei an Krebs verstorbenem Angehörigen aus EMDR-Perspektive an.
🖤 🖤Beispiel für komplexe Trauer (lang andauernde Pflege + Burnout + Schuldgefühl)
🟡 Ausgangssituation
Eine Person pflegt 2–3 Jahre lang ihren an Krebs erkrankten Vater zu Hause und im Krankenhaus, dann stirbt er.
Das ist kein „einzelnes Trauma“, sondern lang andauernde emotionale Überlastung + Verlust.
🧠 Zu verarbeitende Elemente
-
Erinnerungen (nicht nur eine Szene!)
letzter Tag im Krankenhaus
schlechte Nachrichten vom Arzt
nächtliche Pflege
Anblick des Leidens
Moment des Todes
👉 viele „Teil-Traumata“ -
Innere Überzeugungen (negative Kognitionen)
„ich habe nicht genug getan“
„ich habe ihn im Stich gelassen“
„ich war ein schlechtes Kind, weil ich müde war“
„ich war nicht stark genug“ -
Gefühle
Trauer
Schuld
Erschöpfung
Wut (z. B. „warum konnte man ihn nicht retten?“) -
Körperliche Reaktionen
ständige Spannung
Schlafstörung
Druck in der Brust
Gefühl: „ich kann mich nie beruhigen“
🔹 1. Desensibilisierung (mehrere Erinnerungen verarbeiten)
EMDR arbeitet hier nicht nur mit einer Szene, sondern mit einem „Netzwerk“.
👉 Wirkung:
die intensiven Bilder verlieren nach und nach ihre Schärfe
der Körper reagiert weniger stark
der Überlebensmodus nimmt ab
Beispiel: > „wenn ich sehe, wie er leidet… bekomme ich keine Panik mehr“
🔹 2. Neuverarbeitung (tiefere Bedeutungsänderung)
Hier passiert die wichtigste Wendung:
👉 frühere Erzählung:
„ich war kein guter Pflegender“
👉 neue Bedeutungen:
„ich hatte menschliche Grenzen“
„die Krankheit war nicht kontrollierbar“
„meine Anwesenheit war wichtig, auch wenn ich ihn nicht heilen konnte“
👉 Schuld → Realität + Selbstakzeptanz
🔹 3. Installation (positive Kognition)
Typische adaptive Sätze:
„ich habe getan, was ich konnte“
„ich war liebevoll bei ihm“
„nicht alles lag in meiner Kontrolle“
👉 Unterschied hier: kein „Freispruch“, sondern inneres Wahrheitsgefühl entsteht
🔹 4. Body scan (hier besonders wichtig)
Bei komplexer Trauer bleibt oft im Körper:
tiefer Druck in der Brust
Gefühl von „schwerem Herzen“
Müdigkeit
EMDR-Ziel: 👉 auch diese nehmen ab oder „neutralisieren“ sich
🔚 Endzustand (nicht „glücklich“, sondern integriert)
Früher:
„Ich habe alles falsch gemacht, ich konnte nicht helfen, das bleibt bei mir“
ständige Spannung + Schuld + körperliche Belastung
Nach Verarbeitung:
„Es war eine sehr schwere Zeit, aber ich war liebevoll da, und nicht alles lag in meiner Verantwortung“
Traurigkeit bleibt
aber kein Selbstvorwurf + keine nervensystemische Überaktivierung
🧠Schlüsselunterschied einfach erklärt
🖤Einfache Trauer:
👉 Schmerz, aber integrierbar
🖤🖤Komplexe Trauer:
👉 Schmerz + Schuld + körperliches Trauma + langanhaltender Stress
Ziel von EMDR: ✔ nicht den Verlust beseitigen
✔ sondern die traumatische Komponente von der Trauer trennen
🔑🖤🖤 In einem Satz
Die Verarbeitung komplexer Trauer im EMDR bedeutet:
der Schmerz über den Verlust der geliebten Person bleibt, aber Schuld, Selbstvorwürfe und körperliche Trauma-Reaktionen verlieren ihre Kraft.
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